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Von wegen „Saufgesellschaft“

Schon beim Aufstellen des Kerbebaums hatten die „Freien Kerbeburschen“ in Ober-Erlenbach reichlich Publikum. Die Macher des Festes setzten alles daran ihrem diesjährigen Motto „We make Erlebacher Kerb great again“ gerecht zu werden. Was übrigens schon längst gelungen ist.

Ober-Erlenbach. 

Wenn am Samstagsmorgen auf dem Platz vor der Bäckerei Freimund eine Art Volksauflauf zu beobachten ist, dann kann das nur bedeuten, dass gerade der Kerbebaum aufgestellt wird. Doch auch als das Symbol der Ober-Erlenbacher Kerb unter dem Applaus der Zaungäste längst hochgehievt und gesichert war, löste sich die Besuchermenge nur zögerlich auf.

Die aktiven Jungkerbeburschen – das sind diejenigen, die noch nicht unter der Haube sind – stimmten unterm Baum das Kerbelied an und ließen den für dieses Jahr gewählten Kerbeonkel Günther Haas hochleben. Unterdessen schoben die passiven Kerbeburschen – das sind diejenigen, die inzwischen verheiratet sind – und Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung der Kerbemacher im Hof der Bäckerei den ersten Dienst hinterm Tresen. Nur wenn alle mit anpacken, können die knapp 70 „Freien Kerbeburschen“ das Fest stemmen.

„Mädchen gab es bei uns noch nie und wird es die nächste Zeit auch nicht geben“, stellt Beisitzer Heiko Cloos klar. Und sein Vorsitzender Jochen Müller erklärt: „Die Aktiven übernehmen an drei Tagen Kerb drei Schichten, die Passiven machen zwei Dienste und die Alters- und Ehrenmitglieder sind ein Mal im Einsatz. Die Frauen und Freundinnen der Kerbeburschen dürfen maximal am Brezelstand helfen.“ Die Kerb als Patriarchat.

Sei’s ihnen gegönnt, denn ohne das enorme Engagement der 1983 gegründeten „Freien Kerbeburschen“, wäre das Stadtteilfest wohl längst Geschichte. Die meisten Burschen nehmen sich eigens freitags, montags und dienstags Urlaub. „Wir sind hier nicht zum Feiern, sondern zum Arbeiten, haben aber trotzdem viel Spaß dabei“, macht Müller deutlich und distanziert sich damit von dem miesen Ruf als „Saufgesellschaft“, den die Kerbeburschen vielerorts haben.

Im Gegenteil, die Ober-Erlenbacher arbeiten beim Sicherheitskonzept unter anderem eng mit der Suchtprävention der Stadt zusammen. „Unser Thekenteam lässt sich von jüngeren Kerbebesuchern den Personalausweis zeigen, und der Sicherheitsdienst passt auf, dass Alkohol, den Jugendliche sich woanders gekauft haben, draußen bleibt“, so Müller. Auch das Open-end der Kerb ist inzwischen abgeschafft. „Bis 1 Uhr ist Ausschank, bis 2 Uhr ist der Hof leer, das funktioniert reibungslos“, so der 28-jährige Vorsitzende. Die Polizei mache immer noch mal einen Kontrollbesuch. Den Kerbeburschen passte es auch ins Konzept, dass sie am Samstagabend, als die Band „fun factory“ spielte, nicht bis in die Puppen Dienst schieben mussten. Denn vor dem Frühschoppen am Sonntag mussten ja Hof und Festplatz wieder picobello sein.

Heute geht es noch mal richtig rund auf der Kerb. Freibier lockt zum Frühschoppen. Und Gickelschmiss und Schubkarrenrennen über die Bühne sind, gibt es noch einmal Live-Musik mit „Take Off“. All das schaffen die Kerbeburschen bei zivilen Getränke-Preise, ohne Eintritt und ohne Sponsoren – nicht aber ohne Unterstützer. Ein solcher ist der diesjährige Kerbeonkel. Günther Haas kümmert sich an der Kerb um die Eiswürfelproduktion.

Quelle: Taunus Zeitung vom 11.09.2017